Geschichte

Ursprünge der Pistazie

Pistazienbäume wurden vor Tausenden von Jahren im Nahen Osten angebaut. In dieser Region waren sie schon immer eine beliebte Delikatesse. Pistazien werden im Alten Testament erwähnt (Genesis 43:11).

In Persien (heutiger Iran) waren der Pistazienhandel und der Besitz von Pistazienplantagen mit Reichtum und hoher Stellung gleichgesetzt. Die Legende besagt, dass Pistazien zu den Lieblingsspeisen der Königin von Saba gehörten, die die gesamte Landesproduktion für sich und ihren Hofstaat beanspruchte. Durch den Eroberungszug Alexander des Großen (334 bis 323 v. Chr.) erreichte die Nuss Griechenland. Später wurde die Pistazie unter dem römischen Kaiser Tiberius (1. Jh. n. Chr.) auch in Italien und Spanien eingeführt.

 
  • Zwischen dem Orient und Europa gehandelte Waren

    Das Anbaugebiet von Pistazien wurde mit der Ausbreitung des Islams und der sich daraus ergebenden Expansion der Araber immer weiter vergrößert. Neben den Kreuzzügen sorgte auch der Levantehandel im Mittelalter für eine weite Ausbreitung. Insbesondere die Republik Venedig unterhielt enge Handelsbeziehungen zu Syrien, einem der Hauptanbaugebiete von Pistazien. Die Waren gelangten über die Seehandelsrouten nach Nord- und Mittelitalien.

    Alpenüberquerung der Pistazie

    Nördlich der Alpen waren Pistazien lange Zeit unbekannt. Sie wurden bei ihrer Einfuhr in Mitteleuropa „Latin Penny Nut“ genannt, da sie über italienische Handelswege über die Alpenpässe gelangten.
    Während Pistazien in Italien von Anfang an auf vielfältige Weise in der Küche Verwendung fanden, waren sie nördlich der Alpen hauptsächlich teure Zutaten für Gebäck. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wandelte sich allmählich das Image von Pistazien von einer teuren Backzutat hin zu einem beliebten Snack.

    Die historische Entwicklung von amerikanischen Pistazien

    In den 1880er Jahren waren importierte Pistazien in den USA, insbesondere bei Einwanderern aus dem Nahen Osten, beliebt. Die Pistazie wurde durch in U-Bahnstationen, Bars, Restaurants und anderen öffentlichen Einrichtungen installierte Automaten weiter verbreitet. „A dozen for a nickel“ – ein Dutzend für einen Nickel – war bald überall zu hören.

  • Auf der Suche nach der für die USA perfekten Pistazie

    Anerkanntermaßen bietet das kalifornische Central Valley aufgrund seines fruchtbaren Bodens, des heißen, trockenen Klimas und der gemäßigt kühlen Winter die idealen Anbaubedingungen für die Nuss. 1929 reiste der US-amerikanische Botaniker William E. Whitehouse nach Persien (dem heutigen Iran), um Pistazien zu sammeln. 1930 kehrte er mit etwa 10 Kilogramm einzeln ausgewählter Nüsse in die USA zurück.

    Innerhalb eines Jahres wurden die ersten Pflanzungen zu Versuchszwecken vorgenommen. Doch benötigen Pistazienbäume sieben bis zehn Jahre, um zu wachsen und zu reifen, daher dauerte es beinahe ein Jahrzehnt, bis Whitehouse sehen konnte, was aus seinen gesammelten Nüssen wurde.

    Jedoch erwies sich lediglich eine Sorte als brauchbar. Unglücklicherweise hatte der Botaniker nie den Baum gesehen, von dem die entsprechende Nuss abstammte. Er hatte sie aus einem Berg Nüssen geklaubt, die auf der Plantage der Familie Agah, einer bekannten Pistazienanbauerfamilie aus Rafsanjān im iranischen Zentralplateau, zum Trocknen ausgelegt waren. William E. Whitehouse benannte den Baum „Kerman“ nach der für ihre Teppiche berühmten Stadt in der Nähe von Rafsanjān. Wissenschaftler züchteten und stärkten die Kerman-Sorte weiter, indem sie sie mit kräftigeren Wurzelstocksorten zusammenbrachten.

    Nach vielen Jahren des Experimentierens wurde das Konzept der US-amerikanischen Pistazienindustrie Wirklichkeit. Die Kunde über die neue Nutzpflanze breitete sich aus, und so wurden in den 1960er Jahren in Kalifornien und später in Arizona und New Mexico Anpflanzungen vorgenommen. Doch erwiesen sich viele Facetten der neuen Kulturpflanze für diese kühnen Amerikaner als Herausforderung. Pistazien gehören zu den windbestäubten Arten (im Gegensatz zur Bestäubung durch Bienen). Gerade einmal ein männlicher Baum ist notwendig, um 30 weibliche Bäume zu bestäuben.

  • Kommerzieller Anbau von amerikanischen Pistazien

    Die US-Pistazienindustrie kann auf eine beispiellose Erfolgsgeschichte zurückblicken. Seit der ersten kommerziellen Ernte von 680 Tonnen im Jahr 1976 bis hin zur Rekordernte von 188.241 Tonnen im Jahr 2007 folgte Erfolg auf Erfolg.

    Dieser Anstieg der Ertragszahlen spiegelt sich in der zunehmenden Erzeugung pro Quadratmeter wider: Im Jahr 1982 wurden 0,16 Kilogramm pro Quadratmeter geerntet, im Jahr 2007 waren es 0,40 Kilogramm pro Quadratmeter. Folglich war eine enorme Entwicklung der Branche zu verzeichnen: Während anfänglich gerade einmal der heimische Markt bedient werden konnte, wird heute der Großteil der Produktion in Länder auf der ganzen Welt exportiert.

  • Die amerikanische Pistazienindustrie heute

    Die Staaten Kalifornien, Arizona und New Mexico stellen 100 Prozent der US-amerikanischen kommerziellen Pistazienerzeugung dar. Kalifornien beansprucht mit über 250.000 Morgen bepflanztem Land in 22 Bezirken 98,5 % der gesamten Erzeugung. Die Vereinigten Staaten zählen 850 Erzeuger und der jährliche „Ab-Hof-Wert“* der Pistazien leistet einen Beitrag von über $ 1,16 Milliarden zur kalifornischen Wirtschaft und über $ 15 Millionen zur Wirtschaft Arizonas und New Mexicos.

    *In der Landwirtschaft gemeinhin als Nettowert des Produkts beim Verlassen des Betriebs und nach Abzug der Marketingkosten definiert.